Internationaler Tag gegen Weibliche Genitalverstümmelung

„Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung“ seit 2003 findet am 06. Februar der „Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung“ statt.

Heute wollen wir auf eine unbekanntere Form der Menschenrechtsverletzung aufmerksam machen. Laut WHO sind weltweit über 200 Millionen Frauen und Mädchen beschnitten. In Deutschland leben laut der Nichtregierungsorganisation „Terres des Femmes“ ca. 58.000 Betroffene und etwa 13.000 gefährdete Mädchen und Frauen.

 

Doch was ist eigentlich eine Genitalverstümmelung? Laut der Weltgesundheitsorganisation versteht man unter der Genitalverstümmelung „jede teilweise oder totale Entfernung oder sonstige Verletzung der äußeren Geschlechtsorgane aus nicht medizinischen Gründen.“ Diese findet in 29 afrikanischen Ländern, aber auch auf Arabische Halbinsel und in manchen asiatischen Ländern statt. Die meisten Verstümmelungen finden zwischen dem 0 und 14 Lebensjahr statt, manchmal auch noch kurz vor der Ehe. Die Begründung ist verschieden je nach der Region, häufig ist es die Sicherstellung der Jungfräulichkeit, bessere Chancen auf dem Heiratsmarkt oder die spirituelle Reinheit. Durchgeführt wird die Genitalverstümmelung häufig von älteren Frauen oder traditionellen Geburtshelferinnen. Zur Durchführung werden häufig nicht sterilisierte Messer, Glasscherben, Rasierklingen, schweren oder Skalpelle verwendet. Die Opfer wurden oftmals nicht einmal unter Narkose gesetzt und es wird keine Antiseptika verwendet. Es gibt verschiedene Arten von Genitalverstümmelung, diese reichen von der teilweise oder kompletten Entfernung von der Klitoris, bis zur kompletten Entfernung der Klitoris, Schamlippen und den innen Seiten der äußeren Schamlippen.

Bei der grausamsten Form wird die Wunde mit Dornen befestigt und zugenäht. Eine kleine Öffnung wird offengelassen, damit Urin und Menstruationsblut abfließen können. Nach der Hochzeit muss die Öffnung von dem Ehemann erweitert oder aufgeschnitten werden. Das erweitern kann einige Tage dauern und ist sehr schmerzhaft, doch ist der einzige Weg.

 

Kann man sich von so etwas Traumatischen überhaupt erholen? Nein, Kann man nicht. Für die Betroffenen ist es ein lebenslanger Leidensweg. Sie leiden unter einem enormen Schock, außerdem kann es nach dem Ritual zu starken Blutungen oder auch Infektionen kommen. Diese Infektionen entstehen durch die nicht sterilisierten Geräte, aber auch durch den Brauch dem Opfer nach dem Eingriff die Beine zuzubinden, Langzeitfolgen können Unfruchtbarkeit, chronische Unterleibsentzündungen, Schwierigkeiten oder Ausfall der Menstruation sein. Laut WHO sterben 10% der Frauen an den direkten folgen wie Blutvergiftung und Blutverlust. 25% sterben an den langzeitfolgen wie Infektionen mit Aids und Hepatitis sowie an Komplikationen bei einer Geburt. Häufige psychische Folgen, die Betroffene haben sind ein jahrelanges Trauma, verlorenes Vertrauen in die Bezugsperson. Dazu kommen Angstzustände, Verlust ihrer Weiblichkeit, Depressionen oder Psychosen. In Deutschland haben die Ärzt:innen häufig keine Erfahrung mit diesen Fällen.

 

Doch es gibt Angebote für Opfer einer Genitalverstümmelung wie zum Beispiel „Desert Flower Center“. Wie ist die rechtliche Lage? In 24 der 29 afrikanischen Länder ist die Genitalverstümmelung bereits rechtlich verboten, doch es wird trotzdem noch illegal durchgeführt. Im Sudan, Somalia und Liberia gibt es gar keine Gesetzte zu diesem Thema.

In Deutschland und vielen anderen EU‑Ländern ist es seit 2013 eine Straftat, doch viele Frauengruppen bezweifeln die Reichweite der Gesetze. Eine bekannte Methode ist es, dass die Eltern ihre Töchter über die Ferien in ihr Heimatland schicken, um die Beschneidung durchzuführen. Die Organisation „Terres des Femme“ fordert eine verpflichtende Untersuchung aller Minderjährigen in Deutschland, die die Genitalien mit einbeziehen. Es gibt verschiedene Formen der Genitalverstümmelung: ‑ Typ 1: Klitoridektomie: Dies wird als „mildeste“ Form bezeichnet, hierbei wird die Klitoris teilweise oder komplett entfernt. ‑ Typ 2: Exzision: Es werden die Schamlippen und die Klitoris entfernt. Wie viel entfernt wird, hängt von den Gebräuchen, der Sehfähigkeit der Beschneiderin und davon ab wie doll sich das Opfer wehrt. ‑ Typ 3: Infibulation: Dies ist die „schwerste“ Form der Genitalverstümmelung, es werden nicht nur die inneren Schamlippen, die Klitoris entfernt, sondern auch die inneren Seiten äußeren Schamlippen werden vollständig entfernt. Danach wird die Wunde mit Dornen befestigt und zugenäht. Eine kleine Öffnung wird offengelassen, damit Urin und Menstruationsblut abfließen können. Nach der Hochzeit muss die Öffnung von dem Ehemann erweitert oder aufgeschnitten werden. Das erweitern kann einige Tage dauern und ist sehr schmerzhaft, doch ist der einzige Weg. ‑ Typ 4: Alle sonstigen Praktiken, die physische und /oder psychische Schäden hinterlassen. Zum Beispiel: Ätzen, Brennen, Scheuern oder das Auftragen von nervenschädigen Substanzen.