5. Tag der betrieblichen Mitbestimmung.

Ausnahmsweise soll es hier nicht um Corona gehen, sondern um das, was werktäglich ein Drittel unserer Zeit beansprucht: Die geliebte und gehasste Arbeit. Jede arbeitende Person hat einen Arbeitsvertrag, in welchem Arbeitszeit, Lohn oder Gehalt, Urlaub usw. geregelt sind. Natürlich kann dieser individuell verhandelt werden. Jedoch zeigt sich, dass ein gemeinsam verhandelter Arbeitsvertrag in den meisten Fällen die besseren Bedingungen liefert. Schließen sich viele Arbeitnehmer*innen in einer Gewerkschaft zusammen, kann die Gewerkschaft im Namen ihrer Mitglieder einen für ebendiese allgemeingültigen Arbeitsvertrag (mit Arbeitgeberverbändern als Zusammenschluss der Unternehmen) aushandeln.

Dieses Vertrag nennt sich dann Tarifvertrag. Die größte deutsche Gewerkschaft – der ich auch angehöre – ist die IG‑Metall mit über 2.25 Millionen Mitgliedern. In diesem Jahr stehen zahlreiche Tarifverhandlungen an; u.a. auch der Tarifvertrag der Metall‑ und Elektroindustrie als wichtigster. Dieser Tarifvertrag bestimmt aber nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern seine Ergebnisse definieren die Lebensweise der vielzitierten Mittelschicht. Die Frage „Wie wollen wir Leben?“ ist eng mit ebendiesem Vertrag verzahnt. Wir stehen vor herausfordernden Zeiten. Selbstverständlich ist die Corona‑Pandemie das aktuell größte Problem. Dennoch dürfen die langfristigen gesellschaftlichen Entwicklungen nicht vernachlässigt werden:

1) Der Strukturwandel in den Schlüsselindustrien hat längst begonnen. Für ein Elektroauto werden einfach weniger Bauteile und damit auch weniger Beschäftigte benötigt als für einen herkömmlichen Verbrenner.

2) Wir werden älter. Bald gehen die „Babyboomer“ in den Ruhestand. Immer weniger Menschen müssen immer mehr Menschen finanzieren. Die berechtigte Frage lautet: Wer soll das bezahlen?

3) Die Erde wird immer wärmer. Wie wollen wir handeln, um unsere Lebensqualität und unseren Wohlstand zu halten, ohne die Klimaerwärmung stetig zu verschlimmern? Unserer Erde ist es egal – sie wird uns Menschen überdauern.

Dies sind nur einige von vielen Beispielen. Direkt oder indirekt werden alle Lösungen Einfluss auf unsere Arbeit haben. Ob diese gut oder schlecht ausfallen werden, liegt an uns. Bewiesen wird dies durch einen eindeutigen Zusammenhang: Je mehr Menschen in einem Unternehmen Gewerkschaftsmitglied sind, desto besser die Arbeitsbedingungen und desto größer die Produktivität des Unternehmens. Der erste Schritt ist also die Gewerkschaftsmitgliedschaft. Aber was kann ich konkret in meinem Betrieb tun? Hierfür gibt es die Betriebsräte, die zwischen Beschäftigten und Arbeitgeber verhandeln. Für Auszubildende gibt es analoge Jugend‑ und Auszubildendenvertretung (JAVs). Betriebsräte und JAV‑ Mitglieder genießen spezielle Rechte. Eure Arbeit in diesen Gremien zählt zudem als Arbeitszeit. Ihr werdet also dafür bezahlt, die Bedingungen bei euch zu verbessern. Klingt gut, oder? Alles, was ihr über eure Arbeit bei Betriebsräten oder JAVs wissen müsst, bringt euch die Gewerkschaft bei. Die Kosten dafür trägt übrigens der Arbeitgeber. Bei euch gibt es weder Betriebsrat noch JAV?

 

Die Gewerkschaft hilft euch bei der Gründung. Wichtig ist, dass wir uns alle bewusst machen, dass nichts selbstverständlich ist. Das letzte Jahr hat eindrucksvoll gezeigt, wie zerbrechlich die aktuellen Gegebenheiten sind. Lasst uns die Zukunft unserer Arbeit selbst in die Hand nehmen! ‑Alexander Dimcevski